Schreyahn. Gemeinsam mit der Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalschutz NLD, Frau Dr.-Ing. Christina Krafczyk konnten Samtgemeindebürgermeister Sascha Liwke und Landrätin Dagmar Schulz die Abgeordnete im Deutschen Bundestag, Dr. Julia Verlinden, den Bundestagsabgeordneten Jacob Blankenburg und die Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages, Miriam Staudte in Schreyahn begrüßen.
Angestoßen durch Vorträge von Prof. Dr. Michael Schmidt vom Institut for Heritage Management und Herrn Dr. Kellmann vom NLD gelang ein intensiver Austausch zu den Inhalten des Tentativantrages und den weiteren Schritten und Herausforderungen im Welterbeverfahren „Siedlungslandschaft Rundlinge im Wendland“. Eindrucksvoll konnte dabei Frau Burkhardt-Liebig vom Rundlingsverein darstellen, wie unsere Rundlinge bisher erhalten werden konnten und welchen Unterstützungsbedarf die Region jetzt beim Erhalt der historischen Bausubstanz hat. Frau Dr. Krafczyk verdeutlichte, welch große Schnittmenge der Denkmalschutz und der Klimaschutz haben. Historische Baumaterialien binden nämlich große Mengen CO2 und suchen in Punkto Dauerhaftigkeit, Reparaturfähigkeit und Wiederverwendbarkeit der Baumaterialien ihresgleichen. Durch den Im- und Export von Erfahrungen zwischen Denkmalschützern, Bauingenieuren und Architekten könne künftig auch in Sachen Energieeffizienz im Bestand noch viel verbessert werden. Maßnahmen zur Dämmung der oberen Geschossdecke und der Kellerdecke hätten beispielsweise großes Einsparpotential ohne die Außenhülle der Fachwerkhäuser zu verändern. Inzwischen können erste Photovoltaikanlagen als pfannenintegrierte Systeme auch in optisch Zurückhaltender Weise zum Einsatz kommen und so Energieeffizienz und Denkmalschutz zusammen bringen. Das Wendland habe durchaus das Potential, dabei zu einer Modellregion zu werden. Die Herausforderung, Klimaschutz und Denkmalschutz unter einen Hut zu bringen ist aktuell ein bundesweit starkes Thema. Insgesamt braucht es hier neben innovativen Ideen und nachhaltigen Ansätzen auch finanzielle Anreize. Der Erhalt historischer Bausubstanz ist eben nicht nur private Passion, sondern auch von gesellschaftlichem Interesse. Möglichkeiten einer finanziellen Förderung bestehen daher bereits, sind aber oftmals nicht ausreichend um einen umfassenden Erhalt zu gewährleisten. Insbesondere der Erhalt von oftmals ungenutzten Nebengebäuden stellt eine Herausforderung dar. Diese zu sichern und sogar für eine Nutzung zu Wohnzwecken, als Werkstatt oder Büro zu ertüchtigen scheitert oftmals noch an zu hohen erforderlichen Eigenmitteln. Dabei ist der Bedarf dafür gerade steigend. Die Anerkennung als Welterberegion kann und soll die „Klammer“ bilden und Rahmenbedingungen zum Nutzen der Bewohnerinnen und Bewohner bzw. der gesamten Region schaffen. Was mit entsprechender Beratung und Unterstützung möglich ist, um vom Abriss bedrohte Gebäude zu erhalten, davon konnten sich die Teilnehmer an der Veranstaltung gleich vor Ort persönlich überzeugen. Die Abgeordneten zeigten großes Interesse und wollen den Kontakt zu den lokalen Akteuren im Wendland auf jeden Fall halten.
Die Bürgerbeteiligung und Partizipation am Welterbeantrag ist allen Beteiligten im Verfahren besonders wichtig. Pandemiebedingt waren Informationsveranstaltungen jedoch zuletzt nur kleinteilig möglich. Informationen, Beratung und Dialog sind nötig, damit auf dem Weg zum Welterbe eine starke Partnerschaft mit breitem Rückhalt in der Bevölkerung entsteht. Nicht nur für die Dörfer im Welterbegebiet, sondern für die Region insgesamt böte sich dann ein enormes Entwicklungspotential. Aktuell ist Herr Dr. Kellmann vom NLD wieder auf den Höfen im möglichen Welterbegebiet unterwegs, um den Bestand an Gebäuden, deren Erhaltungszustand und auch Baulücken aufzunehmen.
Samtgemeindebürgermeister Liwke verdeutlichte, dass die Samtgemeinde und ihre Mitstreiter vor Ort alleine den bisherigen Weg über nunmehr rund 14 Jahre erfolgreich beschritten haben. Ohne die Unterstützung von Land und Bund ginge es jetzt aber nicht weiter.
Der Welterbeantrag “Siedlungslandschaft Rundlinge im Wendland“ hat es gemeinsam mit den „Schöninger Speeren“ auf die Tentativliste des Landes Niedersachsen geschafft. Im nächsten Schritt stellt die Kultusministerkonferenz (KMK) in der zweiten Jahreshälfte 2023 aus den ausgewählten Kultur- und Naturerbestätten aller Bundesländer die deutsche Vorschlagsliste zusammen. Diese steht dann, voraussichtlich 2024, in Konkurrenz zu den Vorschlägen anderer Nationen und wird im UNESCO-Welterbezentrum in Paris von einem internationalen Komitee weiter selektiert.
Bei dem Besuch in Schreyahn (rechts nach links): Miriam Staudte (MdL), Dr. Thomas Kellmann (NLD), Claudia Lange (SG Lüchow (W)), Kerstin Duncker (UDSchB), Dagmar Schulz (Landrätin), Prof. Michael Schmidt (IHM), Jacob Blankenburg (MdB), Dr. Julia Verlinden (MdB), Ilka Burkhardt-Liebig (Rundlingsverein), Sascha Liwke (Samtgemeindebürgermeister Lüchow (W)), Sandra Nasser (IHM)